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Dr. Christel Oldenburg MdHB

08.02.2022 09:42 Kategorie: Kolumne

Osterfeuer – ist das Brauchtumspflege oder kann das weg?


Foto: wm

Seit geraumer Zeit schon simmert eine Debatte um das Für und Wider von öffentlichen Osterfeuern vor sich hin: Sind Osterfeuer ein geschätzter Ausdruck kultureller Traditionen im sozialen Jahreszyklus oder ein obsoletes, aus der Zeit gefallenes Spektakel, zudem noch umweltschädlich?

Auch bei uns im Bezirk Bergedorf erfreut sich die Osterfeuer-Tradition immer noch einer großen Beliebtheit, vor allem in den Vier- und Marschlanden; das mag auch daran liegen, dass in ländlichen Regionen solche Brauchtumsveranstaltungen stärker als in der Stadt der Pflege der nachbarschaftlichen Kontakte und dem lockeren Austausch untereinander dienen.

Heutzutage finden die Osterfeuer meist am Samstagabend oder Ostersonntag statt;. häufig übernehmen die Freiwilligen Feuerwehren seit Jahrzehnten die Anfuhr und das Aufschütten des Brennmaterials, desgleichen das Anzünden und die Brandwache. Dabei wird Baum- und Strauchschnittgut entzündet – viele Orte sammeln dafür sogar alte Weihnachtsbäume.

Auch wenn der Traditionsursprung in der Kirche liegt, ist der Brauch davon heute weitgehend gelöst – es handelt sich vielmehr um ein geselliges Zusammenkommen von Familie, Freunden und Nachbarn. Moderne Bräuche sind das Fertigen von Stockbrot mit Kindern, das gemütliche Zusammensitzen am Feuer mit Speisen und Getränken oder gar ausgelassene Feiern mit Tänzen bis in die frühen Morgenstunden. 

Zum Schutz von Kleintieren, die sich im aufgeschütteten Brenngut versteckt haben könnten, werden die Haufen vor dem Anzünden noch einmal umgeschichtet, damit Igel und Maus rechtzeitig eine neue und sichere Bleibe suchen können.

Über ein letztes Argument gegen Osterfeuer wird noch heftig diskutiert: Der NABU plädierte um 2019 herum gegen Osterfeuer, weil diese auch zur Feinstaubbelastung beitragen würden – die Feuer verschmutzten die Luft mit Feinstaub. Das sei schlecht für Vögel, erklärte damals eine NABU-Sprecherin.

Die Veranstalter sehen das erfahrungsgemäß anders – Osterfeuer gehörten schließlich zu Ostern wie das Eiersuchen. Den Osterfeuer-Brauch gibt es seit Jahrhunderten. Die Tradition geht auf einen heidnischen Brauch zurück, mit dem der Winter verabschiedet und der Frühling begrüßt wurde. Für die Christen wurde das Feuer später zu einem Zeichen für Jesus Christus, da er an Ostern von den Toten auferstanden sein soll.

Auf diese echten Brauchtumsveranstaltungen wegen einer zumal zeitlich sehr begrenzten Staubbelastung zu verzichten, sei arg unverhältnismäßig, argumentieren die Osterfeuer-Befürworter.

Noch ist es ja etwas hin bis zu den Ostertagen – vielleicht finden die Freunde und Gegner der Osterfeuer doch noch einen tragfähigen Kompromiss in dieser Frage, womöglich gar in gemeinsamer Runde bei Stockbrot und einem Kaltgetränk …

Christel Oldenburg