Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

31.01.2022 22:49 Kategorie: Kolumne

»Tiny Houses« mögen niedlich sein – aber sie sind keine Lösung für Hamburgs Wohnungsbau


Foto: Ben Chun, https://www.flickr.com/photos/benchun/3625699371, cc-by-sa-2.0

Seit einiger Zeit taucht in vielen Diskussionen um alternative Wohnformen der Begriff der »Tiny Houses« auf – damit gemeint sind Mini-Wohneinheiten mit einer radikal minimierten Grundfläche, oft als kleine Hütten konzipiert, seltener als Wohnungen resp. Wohncontainer im Mehrgeschoss-Bau.

Diese Tiny Houses (»Winzige Häuser«) scheinen auf manche Menschen sehr reizvoll zu wirken – so reizvoll, dass vor knapp zwei Wochen die stellvertretende Vorsitzende der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Dr. Anke Frieling, eine Kleine Anfrage an den Senat stellte, wie es denn um die Tiny Houses als alternative Wohnform in der Hansestadt bestellt sei.  

Ein spannendes Nischenangebot seien die sogenannten Tiny Houses: Kleine Häuser mit einer Wohnfläche zwischen 10 und maximal 50 Quadratmetern, die weniger Baustoffe und weniger Energie beanspruchten und erschwinglich seien; sie stellen eine attraktive Alternative für immer mehr Menschen dar, die Nachfrage nach den kleinen Häusern steige entsprechend an. Besonders attraktiv seien sie für Schwellenhaushalte.

Die Antwort des Senates fiel nüchtern aus:

Tiny Houses würden in Hamburg entweder als Wohnwagen oder als Gebäude eingestuft. Mit eigenem Fahrwerk würden sie dem Wohnwagenbegriff zugeordnet und unterlägen den Regelungen des Wohnwagengesetzes; danach ist deren Aufstellung nur auf genehmigten Wohnwagenstandplätzen zulässig.

Tiny Houses ohne Fahrgestell hingegen gälten als bauliche Anlagen beziehungsweise Gebäude im Sinne der Hamburgischen Bauordnung (HBauO), da sie durch eigene Schwere auf dem Boden ruhen und nach ihrem Verwendungszweck dazu bestimmt sind, überwiegend ortsfest benutzt zu werden.

Tiny Houses, die als Gebäude eingestuft werden, müssten also alle öffentlich-rechtlichen Anforderungen an Wohngebäude erfüllen (unter anderem Anschluss an den öffentlichen Weg, die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung).

Aufgrund der geringen Wohnungsgröße könnten jedoch bei bestimmten Anforderungen Abweichungen zugelassen werden: Zur temporären Zwischennutzung, zum Beispiel von noch nicht baureifen Grundstücken, seien Tiny Houses prinzipiell denkbar.

Auch auf sehr großen Einfamilienhausgrundstücken wäre die Schaffung von einer oder mehreren zusätzlichen Wohneinheiten durch die Aufstellung eines Tiny Houses vorstellbar, sofern diese nach den öffentlich-rechtlichen Vorschriften genehmigungsfähig wären.

Als grundsätzliche Alternative in der Hamburgischen Wohnungsbaupolitik betrachtet der Senat die Mini-Häuschen jedoch nicht, die Gründe führt er in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage an:

»In größerem Maßstab sind Siedlungen aus Tiny Houses eher als ungeeignetes Wohnmodell in einer wachsenden Großstadt wie Hamburg zu bewerten, in der Entwicklungsflächen knapp und wertvoll sind. Trotz der unterdurchschnittlichen Wohnfläche pro Person sind Tiny Houses aufgrund ihrer kleinteiligen Struktur und meist eingeschossigen Bauweise in Bezug auf die Flächeninanspruchnahme entsprechend ineffizient.

Der Senat verfolgt das Ziel, die wenigen verbliebenen Wohnungsbauflächen so effizient wie möglich zu nutzen, um insbesondere weiterhin dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.«

Just darum geht es, und der wohnungsbaupolitische Ansatz des Senates ist nun wirklich oft genug erläutert und diskutiert worden: Eine Großstadt wie Hamburg verfügt einfach nicht über ausreichend Wohnungsbauflächen, um die wertvolle Ressource »Baugrundstücke« durch die Bebauung mit Tiny Houses zu vergeuden – mögen diese Mini-Hütten auch noch so niedlich sein.

Die Stadt hat schon häufiger erklärt, dass urbanes Bauen zwangsläufig auf Verdichten und mehrgeschossiges Bauen setzen muss –  in Flächenländern könnte man Tiny Houses bei Bedarf vielleicht eine bedeutendere Rolle als alternative Wohnform einräumen, in Hamburg werden sie wohl exotische Folklore bleiben.

Ich kann mit dieser Einschätzung gut leben, dafür bietet Hamburg andere Vorzüge … 

Christel Oldenburg