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Dr. Christel Oldenburg MdHB

24.01.2022 20:41 Kategorie: Kolumne

Konzepte gegen die Verödung der Innenstädte – das Beispiel »Bergedorf Now«


Bild: Gudrun Meyer, https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bergedorf_Sachsentor.JPG, CC BY-SA 3.0

Schon im August letzten Jahres warnte der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) vor einer bedenklichen Auszehrung der bundesdeutschen Orts- und Stadtzentren:

»Die Verödung der Innenstädte und Ortskerne in Deutschland nimmt dramatisch zu. Schon vor der Corona-Krise waren viele Innenstädte in einer schwierigen Lage, viele große Kaufhäuser wurden geschlossen, Leerstände nahmen zu. Die Pandemie hat diesen Prozess dramatisch beschleunigt.

Nach Schätzungen werden ca. 100.000 Geschäfte schließen oder gar nicht wieder öffnen. Davon sind fast 500.000 Arbeitsplätze in Deutschland betroffen. Parallel dazu wächst der Online-Handel und hat im Jahr 2020 einen Umsatz von über 70 Mrd. Euro erzielt.«

Der DStGB steht mit dieser Einschätzung nicht allein da; das Handelsforschungsinstitut IFH etwa sieht neben dem extrem wachsenden Online-Handel eine zu stark auf den stationären Einzelhandel ausgerichtete Infrastruktur der Innenstädte als korrekturbedürftig an, um ausufernden Leerständen und abnehmenden Passantenfrequenzen entgegenzutreten. 

Dabei zeigte bereits eine große IFH-Untersuchung von 2016 zur Innenstadtattraktivität, dass der größte positive Einfluss vom Ambiente und Flair einer Stadt ausgeht – gefolgt vom Einzelhandel und dem Freizeitangebot.

Auch der Deutsche Städtetag regte in einem Diskussionspapier vom Februar 2021 an, die Innenstädte multifunktional weiterzuentwickeln, Stadtteilzentren aufzuwerten, Akteure vor Ort neu aufzustellen, Verantwortlichkeiten zu benennen und die Handlungsfähigkeit zu stärken sowie – verständlich – klug zu investieren.

Das Problem ist also erkannt, aber wird es auch gebannt?

Einen möglichen Ansatz zur Innenstadtbelebung bietet das Projekt »Bergedorf Now«, das dem Bergedorfer Zentrum neue Attraktivität vermitteln soll und Ende November 2021 in trockene Tücher gebracht wurde:

Ein professionelles Innenstadt-Management soll ab Juli 2022 drei Jahre lang an einem Zukunftskonzept für die Bergedorfer Innenstadt arbeiten. Dafür sollen alle Beteiligten an einen Tisch gebracht werden – vom Einzelhandel bis zu den Grundeigentümern.

Finanzielle Unterstützung erfährt das Projekt durch knapp 650.000 Euro Fördermittel aus dem Bundesprogramm »Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren«, die Hamburgische Finanzbehörde legt noch einmal 200.000 Euro zur Co-Finanzierung drauf.

»Wir brauchen mehr Kultur und Gastronomie in der City«, betont Bergedorfs Bezirksamtsleiterin Cornelia Schmidt-Hoffmann, zur Attraktivitätssteigerung sollen auch Zwischennutzungen für frischen Wind sorgen: Das  leerstehende Karstadt-Haus am Sachsentor könnte zum Beispiel als Künstler-, Nachhaltigkeits- und Handwerkerzentrum neue Strahlkraft entwickeln.

Wenn alles klappt wie erhofft, dann könnte das Projekt »Bergedorf Now« den Startimpuls setzen für einen Prozess, der Gewerbetreibende, Einzelhandel, Gastronomie, Künstler, Tourismusbetriebe und Grundeigentümer in der Bergedorfer Innenstadt stärkt und zugleich den Strukturwandel in der City unterstützt.

Noch ist das Projekt erst frisch an den Start gegangen, aber die Zielrichtung entspricht recht gut den Erkenntnissen von IFH und Deutschem Städtetag: Die Bergedorfer Innenstadt muss (wieder) mehr Flair und Ambiente entwickeln.

Vielleicht wäre es auch eine sinnvolle Idee, einfach mal die Bergedorfer Bürger selbst zu fragen, wie sie sich eine attraktive und besuchenswerte Innenstadt vorstellen – gute Vorschläge sind schließlich immer willkommen. 

Christel Oldenburg