Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

30.11.2021 10:21 Kategorie: Kolumne

Carsten Brosda bleibt Kultursenator in Hamburg – und freut sich


Foto: ©Bertold Fabricius

Einige Wochen sah es so aus, als könnte Hamburgs Kultursenator Dr. Carsten Brosda im Zuge der Koalitionsverhandlungen nach Berlin wechseln und dort als Kulturstaatsminister Nachfolger der CDU-Politikerin Monika Grütters werden – diese Spekulationen sind nun vom Tisch.

Der Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und FDP vom 24. November sieht auf Seite 177 das Kulturressort in der Obhut der Grünen: »Die Staatsministerin für Kultur und Medien stellt Bündnis 90 / Die Grünen«, heißt es dort.

Damit bleibt Carsten Brosda der Hamburger Kulturszene als Senator erhalten – diese Nachricht dürften viele Kulturschaffende mit Zufriedenheit vernommen haben, genießt Carsten Brosda seit seinem Amtsantritt am 1. Februar 2017 doch ein stetig wachsendes Ansehen in der oft quirligen Kulturszene. Zu dieser Reputation haben wohl Brosdas Intellekt, sein Arbeitseifer und seine Eloquenz beigetragen, zu großen Teilen auch seine offene Kommunikationsbereitschaft.

Der Verzicht auf Berlin scheint dem Senator für Kultur und Medien nicht allzu schwer gefallen zu sein: »Ehrlicherweise freue ich mich, hier weiter arbeiten zu können. Es macht wahnsinnig viel Spaß in Hamburg. All diese Nachrufe, die ich in den vergangenen Wochen lesen und hören durfte, habe ich auf Wiedervorlage – für schwierige Gespräche. Tatsächlich war für mich schon länger klar, dass ich hier in Hamburg weiter arbeiten möchte«, bekannte Brosda in einem NDR-Interview.

Zudem saß er im Rahmen der Koalitionsverhandlungen in Berlin neben Heike Raab, Michelle Müntefering und Bettina Martin für die SPD mit in der Arbeitsgruppe zum Thema Kultur- und Medienpolitik – hat also schon etwas Einfluss auf die kulturpolitischen Verhandlungsergebnisse nehmen können.

Sehr erfreulich ist die unverstellte Sympathiebekundung Carstens Brosdas für Hamburg – seine Aufgabe und sein Leben in der Hansestadt dürfte ihm wirklich am Herzen liegen.

Es stimmt ja auch: Hamburg als Lebensort entwickelt seinen ganz eigenen, unprätentiösen Charme, mit diesem norddeutschen Mix aus freundlicher Abgeklärtheit, einem Hang zum Schnoddrigen und dem umtriebigen Gewusel einer Großstadt.

Da kann es sich durchaus als reizvoll erweisen, an solch einem vitalen Orte zu verbleiben, seine Kraft aus der Vertrautheit der täglichen Orte, Arbeitsprozesse und natürlich auch der menschlichen Kontakte zu schöpfen.

Ein schönes historisches Beispiel für diese intensive Verbundenheit mit einem Lebensort zeigt übrigens auch der Philosoph Immanuel Kant auf, einer der gewichtigsten Denker der Aufklärung: Er verbrachte nahezu sein ganzes Leben im damals weltoffenen Königsberg, wo er 1804 fast 80-jährig starb.

Carsten Brosda möge auch weiterhin »wahnsinnig viel Spaß in Hamburg« haben, ich persönlich wünsche es ihm von Herzen – wie viele andere Kulturinteressierte auch.

Christel Oldenburg