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Dr. Christel Oldenburg MdHB

15.11.2021 18:09 Kategorie: Kolumne

Die Bergedorfer Sternwarte bewirbt sich um die Anerkennung als Weltkulturerbe


Foto: Sternwarte Bergedorf, Großer Refraktor; Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Nach einer ersten Bewerbung im Jahre 2012 hat Hamburg die Bergedorfer Sternwarte als national wertvoll eingestuftes Kulturdenkmal nun erneut ins Rennen um den Titel Welterbe geschickt und bei der Kultusministerkonferenz (KMK) für eine Bewerbung angemeldet. Die KMK entscheidet 2023 darüber, welche Stätten auf der offiziellen Vorschlagsliste der Bundesrepublik (Tentativliste) zum Welterbe vertreten sein werden und ab 2025 in die offizielle Bewerbungsphase bei der UNESCO einsteigen dürfen. Nur Stätten, die auf dieser Vorschlagsliste verzeichnet sind, können in den kommenden zehn Jahren Anträge auf Eintragung in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt stellen.

Das zwischen 1906 und 1912 erbaute Ensemble Hamburger Sternwarte ist die erste und heute noch vollständige Anlage der Übergangszeit von der klassischen Astronomie zur modernen Astrophysik und dokumentiert diesen Wandel bis heute in einzigartiger Weise. Als weltweit einzigartiges Zeugnis zeigt sie mit ihrer instrumentellen Ausstattung die technische Entwicklung der Teleskoptechnik von etwa 1850 bis zur Gegenwart. Ihr Linsenteleskop „Großer Refraktor“ im Kuppelgebäude gehört zu den größten in Deutschland und ist ein wichtiges Zeugnis der Wissenschaftsgeschichte, das heute überwiegend für öffentliche Himmelsbeobachtungen, aber auch für Lehr- und Forschungszwecke des Fachbereichs Physik an der Universität Hamburg genutzt wird. Seit 1996 steht das Ensemble unter Denkmalschutz.

In ihrer Doppelfunktion ist die Bergedorfer Sternwarte einzigartig: Sie ist gleichzeitig eine Forschungseinrichtung und – auch als Kulturdenkmmal – ein beliebtes Ausflugsziel.

Als Forschungseinrichtung ist die Bergedorfer Sternwarte dem Fachbereich Physik der Uni Hamburg angegliedert; etwa 80 Wissenschaftler betreiben hier internationale Spitzenforschung.

Der »Campus Bergedorf« der Sternwarte ermöglicht dem akademischen Nachwuchs das Studium der Astronomie und Astrophysik. Die Studenten können Lehrveranstaltungen besuchen, Praktikumsversuche durchführen oder sich an Projekten für Bachelor-/Masterarbeiten beteiligen.

Die Sternwarte verfügt zudem über eine umfangreiche Bibliothek und eine Reihe von optischen und Radioteleskopen für wissenschaftliche und Lehrzwecke.

Als Kulturdenkmal kann die Bergedorfer Sternwarte auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken:  Bei ihrer Errichtung (ca. 1910–1912) war die Hamburger Sternwarte eine der modernsten ihrer Zeit. Die teils einmaligen, historischen Teleskope sind noch funktionsfähig und in regelmäßiger Benutzung. Heute ist die Sternwarte Teil der Universität Hamburg, Fachbereich Astrophysik.

Der Park mit seinen neobarocken Kuppelbauten steht Spaziergängern offen. Das gesamte Ensemble ist als Denkmal von nationaler Bedeutung geschützt. In die Teleskop-Gebäude hinein geht es nur mit Führungen oder bei Special Events, die regelmäßig angeboten werden. Dazu gehören z.B. die Astronomie-Vorträge der Uni und die Beobachtungsnächte des Fördervereins.

Für Kinder werden Geburtstagsfeiern angeboten. Regelmäßige Führungen finden am Wochenende statt. Die Sternwarte kann für standesamtliche Trauungen genutzt werden. Im Gebäude des 1-m-Spiegelteleskops befindet sich das beliebte Cafe Raum & Zeit, welches auch für private Feiern zur Verfügung steht.

Eine beeindruckende 3-D-Präsentation der Räume und astronomischen Gerätschaften findet sich in der Mediathek der Hamburger Sternwarte als virtuelle Tour in vier Teilen: https://www.physik.uni-hamburg.de/hs/outreach/mediathek.html.

Die Betrachter können sich eigenständig im Raum bewegen und verschiedene Positionen einnehmen – ich kann die Tour sehr empfehlen!

 

Christel Oldenburg