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Dr. Christel Oldenburg MdHB

13.09.2021 20:40 Kategorie: Kolumne

Politische Kommunikation in Corona-Zeiten: Vor- und Nachteile der Videokonferenzen


Grafik: Leanne Walker CC 1.0, gemeinfrei

In den letzten anderthalb Jahren hat die Bedeutung von Online-Videokonferenzen beträchtlich zugenommen, auch in der politischen Praxis. Dahinter steckt die Überlegung, das Risiko der Ansteckung mit dem Corona-Virus zu minimieren. Viele Ausschuss- oder Arbeitskreis-Sitzungen erfolgen seit März 2020 in digitaler Form, die jeweiligen Teilnehmer konferieren mittels einer speziellen Software, etwa »Zoom«.

Im Laufe der Zeit hat sich gezeigt, dass Videokonferenzen durchaus mit einigen Vorzügen punkten können, aber auch Nachteile gegenüber Präsenzveranstaltungen aufweisen.

Für die Videokonferenzen spricht vor allem der Wegfall von teils aufwändigen Anfahrten zum Treffpunkt und die damit einhergehende immense Zeitersparnis – der Arbeitstag lässt sich deutlich besser nutzen. Wir Sozialdemokraten in Hamburg haben uns daher dafür entschieden, unsere internen Arbeitskreissitzungen per »Zoom«-Videokonferenz abzuhalten. Diese Sitzungen dauern in der Regel um die anderthalb Stunden, dafür muss man nicht quer durch die Stadt fahren, um sich zu treffen.

Allerdings bringen Videokonferenzen im Vergleich zu Präsenz-Treffen auch einige Nachteile mit sich: Die Sitzungen dauern fast immer deutlich länger, weil sich einige Teilnehmer zwischendurch mit anderen Dingen beschäftigen, die Reaktion der Gesprächspartner nicht unmittelbar erkennbar ist (wie etwa bei einer Tischrunde), bei zwischenzeitiger Abwesenheit ein Thema wiederholt zur Sprache kommt oder es schlicht technische Probleme gibt.

Bei der Technik sind zwei Dinge entscheidend, das eingesetzte Programm und die Verbindungsstabilität. Die Videokonferenz-Software »Zoom« hat sich in der Praxis als gut erwiesen, problematischer ist der Einsatz von »Skype«, wie sich im Behördenalltag gezeigt hat.

Eine instabile oder übertragungsschwache Internetanbindung kann zu Störungen führen, etwa Mikrofonausfällen – dann wird eine Videokonferenz schnell zu einer nervtötenden Angelegenheit.

Die Praxis der Videokonferenzen ist also wie häufig eine janusköpfige Angelegenheit; mir gefällt bei parteiinternen Arbeitskreissitzungen natürlich der immense Zeitvorteil, da ist die Online-Sitzung eindeutig das Mittel der Wahl.

Bei Fraktions- oder Ausschuss-Sitzungen hingegen plädiere ich für die Präsenzform mit der physischen Teilnahme aller Mitglieder, weil die politische Kommunikation und das sich daraus ergebende Handeln deutlich einfacher vonstatten gehen, wenn sich alle Akteure  direkt am selben Orte verständigen können – wir Menschen sind im kommunikativen Handeln eben auch auf eher subtile Signale mittels Mimik oder Gestik angewiesen.

Nach dem Ende der Corona-bedingten Maßnahmen werden wir uns hoffentlich wieder verstärkt persönlich treffen und unterhalten, die Technik der Online-Videokonferenzen jedoch hat sich in gewissen Bereichen als sinnvoll und zeitsparend erwiesen – darauf können wir auch in Zukunft setzen.

Christel Oldenburg