Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

06.09.2021 21:18 Kategorie: Kolumne

Einladung zur Buchvorstellung am 16. September: »Die Bergedorfer APO – Politischer Protest in der Hamburger Provinz«


Zu einem ganz besonderen Termin möchte ich alle lokalgeschichtlich interessierten Leserinnen und Leser einladen:

Der Bergedorfer Historiker Dr. Arne Andersen stellt am

Donnerstag, 16. September 2021 um 19 Uhr
im Kulturhaus SerrahnEINS
(Serrahnstraße 1, 21029 Bergedorf)

sein neues Buch vor:
»Die Bergedorfer APO – Politischer Protest in der Hamburger Provinz«

Im Gespräch mit mir wird Arne Andersen Auskunft über die Hintergründe und Enstehungsgeschichte des Werkes geben, er freut sich dabei auch auf lebendige Diskussionen mit dem Publikum.

Zum Inhalt des Buches:

Sie sind bis heute ein gesellschaftspolitisches Streitthema ersten Ranges: die APO, der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) und die Studentenbewegung der Jahre 1966 bis 1970.

Ihre Befürworter sahen in der Revolte den längst überfälligen Schritt von der autoritär geprägten Bundesrepublik hin zu mehr Demokratie und Gleichberechtigung, ihre Gegner aus dem rechten Lager sprechen heute davon, endlich wegzukommen vom »links-rot-grün versifften 68er Deutschland«.

Wie sich der Wandel in kleineren und mittleren Städten abgespielt hat – zu denen man auch den Bezirk Bergedorf zählen kann – ist bislang nur wenig erforscht. Dabei nahm Bergedorf eine besondere Rolle ein: Am Rande Hamburgs liegend entwickelten sich hier andere Strukturen, in denen nicht nur die damaligen Studenten dominierten.

In der Bergedorfer APO fanden sich neben Studenten auch Intellektuelle, Arbeiter, Lehrlinge und Schüler zusammen, wobei einige Männer den Ton angaben. Sie stellten ihren Eltern, Lehrern sowie den politischen und gesellschaftlichen Eliten kritische Fragen nach ihrer NS-Vergangenheit, nach dem verinnerlichten Antikommunismus, zogen deren autoritäres Gehabe in Zweifel und hatten auch noch Spaß dabei, die dermaßen Provozierten vorzuführen.

Die Aktionen der lokalen APO wirkten weit über Bergedorf hinaus, etwa die Demonstration zu einem Auftritt Helmut Schmidts im Lichtwarkhaus, der in einem massiven Polizeieinsatz endete.

Auch der Brand der Holzhandlung Behr am Kupferhof sollte den Außerparlamentarisch-Oppositionellen in die Schuhe geschoben werden, das Feuer legten aber Hansa-Schüler. Die Presse berichtete bundesweit über Bergedorf.

Es ist Arne Andersen gelungen, die allgemeine Geschichte der APO mit den Besonderheiten der Bergedorfer Geschichte zu verknüpfen – Lokalgeschichte at its best!

Es ist eben kein Jubelbuch über die Linken geworden, sondern nimmt das, was die Bergedorfer APO gemacht hat, kritisch in den Blick. Wohl mag es keine leichte Aufgabe für Arne Andersen gewesen sein (er war selbst Akteur der Bergedorfer APO), immer wieder über den eigenen Schatten zu springen und sein damaliges Tun zu reflektieren. Die zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen haben ihm dabei indes geholfen.

Freuen wir uns also auf den Autor und auf eine fruchtbare Diskussion!

Christel Oldenburg