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Dr. Christel Oldenburg MdHB

30.08.2021 20:38 Kategorie: Kolumne

Das »Triell« der Kanzlerkandidaten: Bundesweite Morgenröte für die SPD


Foto: spd

Gestern Abend kam es im Berliner Studio Adlershof zum ersten von geplanten drei sogenannten »Triellen« der Kanzlerkandidaten, übertragen von den privaten TV-Sendern RTL und n-tv. Rund 110 Minuten stellten sich Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) den Fragen des Journalisten-Duos Pinar Atalay und Peter Kloeppel – die Kandidaten sollten ihre politischen Vorstellungen zu verschiedenen Themenfeldern erläutern und begründen, warum sie sich als am besten für das Bundeskanzleramt geeignet sehen.

Einige Tage vor der Sendung lagen CDU und SPD in den Umfragen nahezu gleichauf, die Grünen mit einigen Punkten Abstand dahinter. In den Ankündigungen zum Aufeinandertreffen der Kandidaten erinnerte der Ton an die etwas überdrehte Inszenierung von großen Sportveranstaltungen; auch der Begriff »Triell« zielt in diese Richtung – von einem klassischen »Duell« konnte bei drei Wettbewerbern um die Kanzlerschaft ja auch verständlicherweise keine Rede sein.

In der Livediskussion ging es unter anderem um Afghanistan, den Umgang mit der Corona-Pandemie und einen weiteren möglichen Lockdown, um Klimaschutz und Kohleausstieg, um Steuerpolitik und Videoüberwachung – nach knapp zwei Stunden kamen die Kandidaten zu ihren Schlussworten.

Die drei Amtsbewerber äußerten sich inhaltlich teils lebhaft, blieben im Umgang miteinander aber fair. Olaf Scholz konzedierten die meisten Pressebeobachter ein eher zurückhaltendes, souveränes Auftreten.

Für eine echte Überraschung sorgten jedoch die Ergebnisse einer Blitzumfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL und n-tv unmittelbar nach Ende der TV-Debatte erstellt hatte: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ging bei den Zuschauern klar als Sieger aus dem Triell hervor.

Demnach sahen 36 Prozent der befragten Zuschauer Scholz vorne, 30 Prozent Grünenkanzlerkandidatin Baerbock und 25 Prozent CDU-Chef Laschet.

Ähnlich sieht es bei den Sympathiewerten aus: Nur 22 Prozent fanden Laschet sympathisch, über Scholz sagten das 38 Prozent und über Baerbock 37 Prozent. Forsa hat nach der Debatte rund 2.500 Personen befragt.

Auch bei der Frage, wem am ehesten die Führung des Landes zuzutrauen sei, stimmten 47 Prozent für Scholz. Laschet kam demnach auf 26 und Annalena Baerbock auf 24 Prozent. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch bei der Frage nach der höchsten Kompetenz. Hier votierten 46 Prozent für Scholz, 26 Prozent für Laschet und 24 Prozent für Annalena Baerbock.

Augenscheinlich hat Olaf Scholz’ ruhige und souveräne Art die Zuschauer nachhaltig beeindruckt.

Eine weitere Umfrage vom Sonntag verweist zudem auf einen positiven Trend für die SPD als Partei: Im wöchentlichen Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Insa für »Bild am Sonntag« gewinnen die Sozialdemokraten zwei Prozentpunkte. Mit 24 Prozent liegen sie nun deutlich vor der Union, die nur noch auf 21 Prozent kommt (minus 1).

Der im Sonntagstrend ausgewiesene Wert ist der niedrigste, den Insa jemals für die CDU/CSU gemessen hat. Die Grünen verharren demnach bei 17, die FDP bei 13 Prozent. AfD (11 Prozent) und Linke (6 Prozent) verlieren jeweils einen Punkt.

Steigende Umfragewerte für die SPD, ein souveräner Olaf Scholz als klarer Zuschauer-Gewinner der Livedebatte am Sonntagabend – diese Entwicklung tut natürlich der SPD und ihrem Kanzlerkandidaten gut, sehr gut sogar.

Noch ist es etwas hin bis zu den Bundestagswahlen am 26. September, aber vielleicht erleben wir gerade den Beginn einer bundesweiten Morgenröte für die SPD.

In knapp vier Wochen wissen wir mehr.

Christel Oldenburg