Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

29.03.2021 17:19 Kategorie: Kolumne

Eine (fast) unendliche Geschichte – der Streit um die Sommerzeit


Foto: Thragor, »As Time Goes By 2«, CC-Lizenz (BY 2.0), www.piqs.de

Regelmäßig zur Umstellung der Uhren auf die Sommerzeit (wie jetzt am vergangenen Wochenende) kocht die öffentliche Diskussion wieder hoch, warum es die Mitgliedsstaaten der EU bisher nicht geschafft haben, sich auf ein durchgängiges Modell der offiziellen Zeitbestimmung zu einigen, anstatt wie bisher zwischen Sommer- und Winterzeit zu wechseln.

Der Sinn und die Zweckhaftigkeit dieser ehedem wohl gut gemeinten Idee ist längst widerlegt; jetzt geht es nur noch um die Frage, welche Zeit denn nun ganzjährig gelten soll.

Man erinnere sich: Bei der Sommerzeit stellen wir die Uhr um eine Stunde gegenüber der sogenannten »gesetzlichen Zeit« vor, um im Sommer abends etwas länger Tageslicht nutzen zu können.

Die mitteleuropäische Sommerzeit beginnt am letzten Sonntag im März um 2:00 Uhr MEZ, indem die Stundenzählung um eine Stunde von 2:00 Uhr auf 3:00 Uhr vorgestellt wird. Sie endet jeweils am letzten Sonntag im Oktober um 3:00 Uhr MESZ, indem die Stundenzählung um eine Stunde von 3:00 Uhr auf 2:00 Uhr zurückgestellt wird.

In der Bundesrepublik erfolgte die Einführung der Sommerzeit 1980, beschlossen war sie bereits 1978. Dabei ging es vor allem um die Vereinheitlichung der Gültigkeitszeiten in den europäischen Ländern, um den Aufbau eines gemeinsamem europäischen Marktes voranzutreiben.

Das gerne kolportierte Argument, mit der Sommerzeit ließe sich durch das längere Tageslicht am Abend Energie sparen, stach schon damals nicht so recht, die Einsparpotentiale lagen im Promillebereich.

Die Sommerzeit ist nebenbei keine Erfindung der Moderne – bereits im Ersten und Zweiten Weltkrieg experimentierte das Deutsche Reich mit der Sommerzeit und hoffte auf Energiespareffekte, in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts versuchten sich auch andere Länder mit der dauerhaften Etablierung der Sommerzeit, bei indes bescheidenen Ergebnissen.  

Bis 1996 nun haben sich im Zuge der europäischen Harmonisierung alle EU-Mitgliedsstaaten der einheitlichen Sommerzeit angeschlossen, und nun haben wir den Salat: Das ständige Hin und Her zwischen Winter- und Sommerzeit kann auch nerven und zu körperlichem Unwohlsein führen, zumindest vorübergehend.

Hinzu kommen der technische und logistische Aufwand, um in unserer hochkomplexen Gesellschaft den Zeitensprung einigermaßen unfallfrei zu überstehen – damit ist nicht das Umstellen der Küchenuhr gemeint …

Unsere durchgetaktete Gesellschaft lässt nur wenig Spielraum bei zeitkritischen Prozessen, EDV-Administratoren oder Disponenten im Transportwesen wissen ein Lied davon zu singen. 

Also hat das Europäische Parlament bereits im März 2019 dafür gestimmt, bis 2021 Schluss zu machen mit der ständigen Zeitumstellung – künftig soll ganzjährig nur noch eine durchgehende gesetzliche Zeit gelten. Das kleine Problem an dem gemeinsamen Beschluss: Die 27 EU-Mitgliedstaaten sind sich uneins, ob sie dauerhaft  Sommer- oder Winterzeit gelten lassen wollen.

So hat sich bis heute nichts geändert, und alle Fans von Paulchen Panther haben sich letzten Sonntag wieder gefragt: »Wer hat an der Uhr gedreht?«

Mir persönlich käme die fixe Umstellung auf die Sommerzeit sehr zupass; ich mag es durchaus, wenn es abends noch etwas länger hell ist und ich mit Freunden in gemütlicher Runde bei einem Kaltgetränk und lauschig-warmer Luft draußen die blaue Stunde genießen kann – was gibt es Schöneres am Ende eines luftigen Sommertages?

Ja, ich weiß, aktuell sieht es noch nicht nach einem geselligen Beisammensein aus, aber dieses Herunterfahren unseres sozialen Leben kann nicht ewig andauern und wird eines Tages enden, hoffentlich sehr bald.

Allein dafür lohnt es sich, die Uhr eine Stunde vorzustellen  – sei herzlich willkommen, Sommerzeit!

Christel Oldenburg