Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

03.02.2021 14:40 Kategorie: Kolumne

Hamburgs Hafen und der Schlick – wohin mit den Sedimenten?


Foto: wm

Der Hamburger Hafen stellt seit jeher einen der bedeutendsten Faktoren für die wirtschaftliche Entwicklung der Hansestadt dar – um seine Funktionsfähigkeit zu gewährleisten, müssen die immer größer werdenden Fracht- und Passagierschiffe in der Lage sein, den Elbestrom flussaufwärts und das Hafenareal selbst störungsfrei befahren zu können.
Dafür bedarf es logischerweise der berühmten Handbreit Wasser unter dem Kiel, just deshalb gab es im Laufe der Jahrzehnte wiederholte Fahrrinnenvertiefungen in der Elbe und im Hafen, damit auch Schiffe mit größerem Tiefgang problemlos navigieren können, ohne auf Grund zu laufen.
Der bei diesen Ausbaggerungen anfallende Schlick stellt die verantwortlichen Behörden, auf Hamburger Gebiet besonders die Hamburg Port Authority (HPA), vor erhebliche Aufgaben: Ständig werden Sedimente im Fluss sowohl aus dem Oberlauf der Elbe als auch mit jeder Flut aus Richtung Nordsee nach Hamburg bewegt, wo sie sich in den ausgedehnten strömungsberuhigten Bereichen des Hafens absetzen. Mehrere Meter kann der Gewässerboden im Extremfall innerhalb weniger Monate aufwachsen.
Um der Schifffahrt dennoch ausreichende Wassertiefen bereitstellen zu können, baggert die HPA auf Hamburger Gebiet jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen Elbsediment, wobei die Mengen von Jahr zu Jahr um ein Vielfaches schwanken können. Da stellt sich natürlich die Frage: Wohin mit dem Baggergut?
Derzeit stehen der HPA dafür zwei Umlager- bzw. Verbringstellen in der Elbe zur Verfügung, bei Neßsand sowie in der Nordsee bei Tonne E3, mehr als 15 Kilometer von Helgoland und dem Nationalpark Wattenmeer sowie 60 Kilometer von Büsum entfernt.
Neßsand ist eine unter Naturschutz stehende Binneninsel in der Unterelbe. Auf ihr treffen sich die Grenzen der Bundesländer Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die Schlickablagerung bei Neßsand ist nicht nur ökologisch problematisch, sondern auch wirtschaftlich nicht besonders sinnvoll, weil die dort abgelagerten Sedimente relativ schnell mit dem Flutstrom wieder elbaufwärts und bis in den Hafen transportiert werden – die Folge ist der berüchtigte Baggerkreislauf.
Das Schlickfallgebiet bei der Tonne E3 hingegen gehört zu den schleswig-holsteinischen Küstengewässern; hier hat das Land Schleswig-Holstein der Hansestadt die Verbringung von Baggergut genehmigt, allerdings unter strengen Umweltauflagen.
Bei dieser Konstellation ist es nachvollziehbar, dass mittel- bis langfristig nicht nur Hamburg, sondern auch die Anrainerländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen gemeinsam ein tragfähiges Konzept entwickeln, wie und wo die anfallenden Baggersedimente gelagert werden können.
Die HPA hat dazu ein Strategiepapier zum »Sedimentmanagement« entwickelt und veröffentlicht, das auf den drei Säulen Sanierung, Unterhaltung und Strombau beruht. Eine bedeutende Rolle spielen dabei die länderübergreifende Zusammenarbeit und der Fachaustausch mit den maßgeblichen Behörden und Institutionen.
Um die Kommunikation zwischen der Hansestadt Hamburg und dem Land Schleswig-Holstein zu verbessern, gibt es seit Ende 2016 den Ausschuss für die Zusammenarbeit der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, dem auch ich angehöre.
Am kommenden Freitag, 6. Februar ab 17 Uhr, wird sich der Ausschuss im Rahmen einer Videokonferenz mit Livestream auch mit der Elbvertiefung/Fahrrinnenvertiefung befassen und der Frage, wie künftig die Sedimentverbringung vonstatten gehen soll.
Dabei geht es natürlich auch um Geld, allein 2019 betrugen die Kosten des Sedimentmanagements für den Hamburger Hafen knapp 95 Mio. Euro. Bei solchen Beträgen ist es schon sinnvoll, gemeinsam mit den Ländernachbarn nach tragbaren Lösungen zu suchen.
Der Ausschuss für die Zusammenarbeit wäre ein geeignetes Instrument, die notwendige Kommunikation und Kooperation auf ein höheres Niveau zu hieven. Bei der komplizierten Materie werden erste Ergebnisse allerdings noch etwas auf sich warten lassen; die HPA etwa befasst sich seit Oktober 2020 mit der fachlichen Prüfung potentieller Ablagerungsstellen für Sedimente in der Hamburger Außenelbe, tauscht sich dabei regelmäßig mit Behörden und Fachverbänden aus.   
Ende dieses Jahres könnte mit etwas Glück ein erster grober Fahrplan zum Sedimentmanagement stehen – üben wir uns also noch etwas in Geduld.

Christel Oldenburg