Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

07.12.2020 14:26 Kategorie: Kolumne

Neue Dauerausstellung der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung online vorgestellt


Die Coronavirus-Pandemie zwingt in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens zu ungewöhnlichen Handlungsweisen, so auch im Kulturwesen. Diese Erfahrung machten jetzt die Kuratoren und Mitarbeiter der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung in Hamburg:

2017 gegründet, hat sich die Stiftung zum Ziel gesetzt, an einen der bedeutendsten deutschen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts zu erinnern. Nicht nur als Hamburger Innensenator oder als fünfter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland setzte Helmut Schmidt Maßstäbe. Wie kein anderer hat er weit über sein politisches Wirken hinaus als Publizist und Vordenker die politische Diskussion mit geprägt.  In diesem Sinne will die Stiftung zum einen die historischen Verdienste Helmut Schmidts würdigen. Zum anderen widmet sie sich Themen, mit denen sich auch Helmut Schmidt Zeit seines Lebens auseinandersetzte, und die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Im November wollte die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung im Helmut-Schmidt-Haus im Kattrepel  10 eine Dauerausstellung unter dem Titel »Schmidt! Demokratie leben« eröffnen – bedingt durch die Corona-Beschränkungen mussten die Organisatoren allerdings umplanen und entschieden sich für eine interaktive Online-Vorschau der Ausstellung unter Beteiligung des Publikums. Am Donnerstag, 3. Dezember war es soweit:

Die Zuschauer konnten sich bei einem interaktiven Online-Rundgang durch die 270 qm große Ausstellung einen ersten Überblick verschaffen, für tiefergehende Informationen und Auskünfte standen die Kuratoren Dr. Magnus Koch und Dr. Johannes Zechner zur Verfügung. Auch Dr. Meik Woyke, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung, ergänzte die Ausführungen der Kuratoren aus erster Hand.

Die rund vierzigminütige Online-Preview hat die Stiftung auf ihrer Website zur Betrachtung eingestellt, sie ist zu finden unter www.helmut-schmidt.de/veranstaltungen/schmidt-demokratie-leben/

Beeindruckend an der Online-Präsentation waren unter anderem auch die professionelle Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung im Vorfelde sowie das rege Interesse der Online-Teilnehmer am Ausstellungskonzept. Dabei wurde es zwischendurch auch mal anekdotisch – so wollten die Teilnehmer der Online-Vorschau wissen, ob man denn in den Ausstellungsräumen rauchen dürfe, eingedenk der legendären Passion Helmut Schmidts für seine Glimmstengel liegt die Frage durchaus nahe.

Natürlich aber versucht die Ausstellung, wesentlich fundierteren Fragen zum Leben und Wirken Helmut Schmidts auf den Grund zu gehen, etwa: Welche Gedanken Helmut Schmidts sind heute und für die Zukunft relevant?

Bei der Suche nach der Antwort arbeitet die Ausstellung bewusst mit interaktiven Elementen und versucht, die (virtuellen) Besucher aktiv in das Geschehen einzubinden; auf der Website der Stiftung heißt es hierzu: »Ergänzen Sie an einem Zeitstrahl mit weltpolitischen Daten Ihre eigenen Erinnerungen, testen Sie Ihr Schmidt-Wissen bei einem Quiz, bauen Sie bei einem digitalen Puzzle überraschende Schmidt-Fotos zusammen oder sortieren Sie an einer Litfaß-Säule originelle Zeitschriften-Cover. Für Schulklassen gibt es an großen Touchscreens Workshop-Material zu Themen wie Demokratie, Medienkanzler und Protest.«

Unter den jetzigen Bedingungen der Coronavirus-Pandemie ist die Online-Präsentation der Ausstellung eine durchaus geeignete Variante, das Leben Helmut Schmidts und sein gesellschaftliches Wirken den Besuchern nahezubringen, sie dabei mitzunehmen auf eine Reise durch die bundesdeutsche Geschichte.

Im Augenblick lässt sich nicht voraussagen, wie lange die Corona-Beschränkungen noch andauern werden, wann also die Ausstellung im Kattrepel für das Publikum auch direkt physisch geöffnet wird. Bis dahin jedoch stellt die Online-Präsentation einen gangbaren Weg dar, trotz Corona den gesellschaftlichen Diskurs zu wagen und praktisch anzugehen. Helmut Schmidt, davon bin ich überzeugt, hätte dieser Pragmatismus gefallen.

Christel Oldenburg