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Dr. Christel Oldenburg MdHB

24.11.2020 15:17 Kategorie: Kolumne

Die Dove Elbe – Widerstand gegen die Öffnung als Tidengewässer


Foto: Pincerno, Wikipedia.org, CC-BY-SA-2.0-DE

Durch Wasserbaumaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten (u. a. der Fahrrinnenvertiefung) ist im Bereich der Tideelbe (das ist der Abschnitt flussabwärts ab dem Wehr Geesthacht) das natürliche dynamische Gleichgewicht gestört – die negativen Konsequenzen sind Veränderungen der Tidedynamik und Strömungsverhältnisse mit einem starken Tidehub und einer Asymmetrie der Tide (starke Flut, schwache Ebbe) sowie eine zunehmende Sedimentation und Verschlickung vor allem im Raum Hamburg.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, kam vor vier Jahren das Forum Tideelbe zusammen; das Forum ist ein länderübergreifender Zusammenschluss von mehr als 50 unterschiedlichen Gruppen aus der Region und hat in den letzten vier Jahren nach Lösungen gesucht, um die nachteilige Tidedynamik zu dämpfen und hochwertige Tide-Lebensräumen an der Unterelbe zu schaffen.

Nun hat das Forum einen Ergebnisbericht vorgelegt, der vor allem drei Projekte vorstellt, die helfen sollen, die Geschwindigkeit des stärker auflaufenden Flutstroms zu dämpfen – und gleichzeitig die Kraft des Ebbstroms zu stärken:

Die Öffnung der Haseldorfer Marsch, der Alten Süderelbe und der Dove Elbe zur Tideelbe.

Die Öffnung der Haseldorfer Marsch zur Tideelbe würde das bereits heute wertvolle Gebiet weiter ökologisch aufwerten und die Tideasymmetrie dämpfen.

Eine Wiederanbindung der Alten Süderelbe an das Tidegeschehen bewertet das Forum Tideelbe als besonders vorteilhaft für das Gesamtsystem Tideelbe, die sogenannte hydrologische Wirksamkeit wäre signifikant, die Flut also nicht mehr so kräftig auflaufen.

Die Wiederanbindung der Dove Elbe an die Norderelbe hingegen hätte zwar das Potenzial, zusätzliches Tidevolumen zu schaffen. Im Rahmen der Vorauswahl im Forum Tideelbe wurde ein Tideanschluss insbesondere aufgrund der erheblichen hydrologischen Wirkung als wertvoll für das Gesamtsystem Tideelbe eingeschätzt.

Jedoch stellte sich im Laufe der genaueren Betrachtung schnell heraus, dass eine Öffnung der Dove Elbe nur in begrenztem Umfang machbar wäre, weil – wie bei anderen Maßnahmen auch – sehr viele Nutzungen und Restriktionen zu beachten sind.

Auch würden die Umbaukosten mit rund 500 Mio. sehr hoch ausfallen.

Gegen die Untersuchung der ursprünglichen Variante bildete sich jedoch vor Ort an der Dove Elbe vehementer Widerstand. Die Bürgerinitiative »Dove-Elbe-retten« gründete sich. Sie startete u. a. eine Online-Petition gegen die Öffnung der Dove Elbe, die bislang mehr als 10.000 Menschen unterzeichneten.

Auch die Bergedorfer SPD steht dem Projekt skeptisch gegenüber – seit der Abtrennung der Dove Elbe durch den Bau der Tatenberger Schleuse im Jahre 1952 hat sich in ihrem Bereich ein bedeutendes Naherholungs- und Wassersportgebiet entwickelt, südlich schließt sich das Naturschutzgebiet Die Reit an.

Der Anschluss der Dove Elbe an die Norderelbe würde beträchtliche landschaftliche und bauliche Veränderungen mit sich bringen; die in den letzten 70 Jahren herangewachsene Kulturlandschaft wäre so nicht zu erhalten sein – die Dove-Elbe-Region ist auch Heimat für die Landwirtschaft (Viehhaltung/Gemüseanbau) sowie für den Landschafts- und Gartenbau.

Zudem wären die Auswirkungen auf den Tidenverlauf der Elbe nur relativ gering, eine Wiederanbindung der Dove Elbe mit einem Tidevolumen von 2,7 Millionen Kubikmetern hätte lediglich das Potenzial, die Tideasymmetrie leicht zu dämpfen.

Das Forum Tideelbe hat die drei Projektvorschläge zwar entwickelt, betont in seinem Ergebnisbericht aber explizit, dass die Entscheidung über die Umsetzung der drei Projekte in die Hände der Politik gehört – just dieser Prozess läuft jetzt an.

Wenn die parlamentarischen Entscheidungen gefallen sind, werde ich an dieser Stelle darüber informieren.

Christel Oldenburg