Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

Kolumne von Dr. Christel Oldenburg

Auf den folgenden Seiten finden Sie meine wöchentliche Kolumne zu wechselnden Themen.

16.11.2020

Querdenker-Demos: Wenn die gesellschaftliche Debatte aus dem Ruder läuft

Kein Zweifel, wir leben in anstrengenden, häufig nervtötenden, bisweilen sogar tatsächlich gesundheitsgefährdenden Zeiten: Die Corona-Pandemie legt in weiten Bereichen das soziale Miteinander lahm, belastet die Ökonomie und macht aufgrund der Eindämmungsverordnungen überhaupt keinen Spaß. Maskenpflicht und Abstandsgebot, Hygienevorschriften und Kontaktbeschränkungen wirken sich auf unser aller Leben unmittelbar und direkt aus, seit gut neun Monaten mittlerweile. Solange kein wirksamer und ausreichend verfügbarer Impfstoff entwickelt ist, werden wir wohl nicht umhin kommen, auch weiterhin beim Umgang miteinander Vorsicht walten zu lassen. In den letzten Wochen gab bundesweit kleinere und größere Demonstrationen, deren Teilnehmer unter dem Stichwort »Querdenken« die aktuellen Maßnahmen zur Infektionseindämmung nicht nur sehr kritisch sehen, sondern oft auch grundsätzlich ablehnen. Das ist das gute Recht eines jeden Bundesbürgers, der freie Diskurs um den richtigen Weg ist ein Kennzeichen einer offenen Gesellschaft. Aus dem Ruder läuft diese offene Debatte jedoch dann, wenn die »Querdenker«-Demos sich zum beliebten Vehikel für skurrile bis gefährliche, gar offen faschistische Trittbrettfahrer entwickeln...[mehr]

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10.11.2020

Präsidentschaftswahlen in den USA: Der vierjährige Albtraum ist (hoffentlich) vorbei

Als am 7. November 2020 gegen 11:24 Uhr Ortszeit der US-Nachrichtensender CNN als erstes Medium den demokratischen Bewerber Joe Biden zum Sieger der Präsidentschaftswahlen erklärte und andere große TV-Sender kurze Zeit später nachzogen, endete eine viertägige Hängepartie mit langwierigen Stimmen-Auszählungen und wechselnden Mehrheiten – dann war klar:

Die geradezu dystopische Präsidentschaft von Donald Trump neigt sich ihrem Ende zu, die Welt kann wieder aufatmen. In vielen amerikanischen Städten kam es zu spontanen Feiern und Jubel-Corsos, die Straßen in New York etwa hallten wider von lebhaften Hupkonzerten euphorisierter US-Bürger. Die Erleichterung ist allzu verständlich:

Seit seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren demontierte Donald Trump mit seinem hemmungslosen Narzissmus, mit seiner beispiellos rüden Attitüde im Umgang mit Untergebenen und erst recht mit politischen Gegnern, mit seiner Verachtung für alle rationalen, ethischen und kommunikativ-dialogischen Handlungsprinzipien elementare Grundlagen des öffentlichen, politischen und sozialen Lebens in den Vereinigten Staaten von Amerika.

In ihren vier...[mehr]

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03.11.2020

Dringend lesen: Carsten Brosdas neues Buch „Ausnahme / Zustand. Notwendige Debatten nach Corona“

Als Carsten Brosda sein neues Buch „Ausnahme / Zustand. Notwendige Debatten nach Corona“ schrieb, konnte er nicht wissen, mit welcher Wucht uns die zweite Welle des Virus treffen würde. Mit täglich neuen Höchstständen seit nunmehr fast zwei Wochen befinden wir uns wieder mitten im exponentiellen Wachstum der Pandemie – und in einem zweiten, partiellen Lockdown, der mit vielen erneuten Einschränkungen die Gemüter erhitzt. In dieser Zeit größter globaler und individueller Verunsicherung kommt Carsten Brosdas Buch gerade recht. Er hat beobachtet, analysiert und festgehalten, was uns als Individuen und Gesellschaft seit Ausbruch der Pandemie bewegt und uns auch dringend weiter bewegen sollte. Corona hat uns die Verletzlichkeit unseres Seins schmerzlich vor Augen geführt und unsere Welt ins Wanken gebracht, konstatiert Brosda. Daraus schließt sich eine wesentliche Erkenntnis: In vielen gesellschaftlich bedeutsamen Bereichen gibt es keine Eindeutigkeit mehr. Wir müssen, so Brosda, mit den Widersprüchen zwischen medizinischen, gesellschaftlichen und kulturellen Notwendigkeiten leben und grundlegende Fragen unseres Zusammenlebens neu begreifen und aushandeln. In sorgfältiger Analyse hinterfragt und bringt Brosda zusammen, was sich in...[mehr]

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19.10.2020

Corona, nächste Runde: Hamburg überschreitet die Inzidenz-Grenze, nun gelten verschärfte Regelungen

Es war schon zu ahnen, dass (nicht nur) in Deutschland die Anzahl der am Corona-Virus Infizierten im Herbst wieder ansteigen würde; dennoch scheint die Entwicklung der Inzidenz-Zahlen in den letzten zehn, vierzehn Tagen manche Zeitgenossen überrascht zu haben. Auch Hamburg hat mit 961 Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen den Schwellenwert von 950 Neuinfektionen überschritten, jetzt geht es um die Frage, mit welchen Maßnahmen die Behörden gegensteuern wollen.    Beträgt die Anzahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 pro 100.000 Einwohner, muss der Senat über Beschränkungen beraten. Zur Zeit liegt dieser Wert bei 50,6 Neuinfektionen (19.10.2020). Für Hamburg beträgt die Grenze der Neuinfektionen 950 Fälle in sieben Tagen. Bei der Inzidenz wird die Anzahl der neu auftretenden Neuinfektionen während der vergangenen sieben Tage ausgewiesen. Über das Ausmaß, die räumliche Reichweite und die Strenge der Beschränkungen im öffentlichen (und auch privaten Leben) hat in den letzten Wochen die Runde der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin intensiv diskutiert und nicht immer detaillierte Einigkeit erzielt; die neuen Regelungen für die Hansestadt Hamburg hat der Senat am 16. Oktober...[mehr]

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28.09.2020

Heizpilze in der Außengastronomie – die Wahl zwischen Scylla und Charybdis

Die seit einem guten halben Jahr andauernde Corona-Pandemie hat mit ihren Kontaktbeschränkungen vor allem die Gastronomie schwer beeinträchtigt, auch in Hamburg. In den warmen Sommermonaten konnten viele Gastwirte die Umsatzeinbußen zumindest etwas mildern, wenn sie über Außenplätze verfügten, etwa auf Terrassen oder in Biergärten. Mit dem Beginn der kühleren Jahreszeiten gestaltet sich für die Gäste der Aufenthalt im Freien als nicht mehr ganz so komfortabel, vor allem abends kann es im Freien doch schon empfindlich kalt werden. Eine umstrittene Möglichkeit, auch im gastronomischen Außenbereich für erträgliche Temperaturen zu sorgen, ist der Einsatz von sogenannten Heizpilzen. Diese gasbetriebenen Wärmequellen gibt es in diversen Leistungsstufen, sie waren besonders vor zehn, fünfzehn Jahren recht populär. Im Zuge der Klimadiskussion jedoch kamen die Heizpilze in Verruf, sie verbrauchen relativ hohe Mengen an Propangas bei einem eingeschränkten Wirkungsgrad, zudem erzeugen sie bei der Gasverbrennung erhebliche Mengen Kohlendioxid. Nun ist auch in Hamburg die Diskussion darüber aufgeflammt, ob den Gastwirten in der Hansestadt die Benutzung von Heizpilzen in der kalten Jahreszeit ausnahmsweise gestattet sein soll – auf...[mehr]

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